Eyad Al Kamha
Silke Zimny
"Wenn die Leute Süßwaren essen, dann fühlen sie sich glücklich. Ich möchte ein Teil des Glücks sein." (Eyad Al Kamha)

Eyad Al Kamha arbeitet als Bäcker in der Konditorei und Café Maaß in Dresden und wird begleitet durch die Arbeitsmarktmentor*innen von ARBEIT UND LEBEN Sachsen e.V. Dresden.

Bitte stellen Sie sich kurz vor.

Mein Name ist Eyad Al Kamha, ich komme aus Syrien. Ich bin verheiratet und habe drei Kinder. Ich bin Bäcker von Beruf.

Wie haben Sie den Weg zu den Arbeitsmarktmentor*innen für Geflüchtete gefunden?

Ich habe 2015 einen Sprachkurs bei der Euro-Schule gemacht und die Prüfung beim ersten Mal bestanden. Das war am Tag der Deutschen Einheit, an diesem Tag war ich wirklich sehr glücklich. Als ich das Zertifikat vom Sprachkurs bekommen habe, bin ich sofort zum Jobcenter gegangen. Ich habe dort einen Termin gemacht und zum Glück wurde in Dresden ein Bäcker gesucht. Die Stelle habe ich bekommen und nach zwei Wochen Praktikum konnte ich einen unbefristeten Vertrag unterschreiben. Nach acht Monaten wurde die Bäckerei geschlossen, aber ich habe nicht aufgegeben. Durch meine Gespräche beim Jobcenter wusste ich von den Arbeitsmarktmentoren von ARBEIT UND LEBEN in Dresden und ich bin sofort dorthin gegangen. Sie haben mich sehr unterstützt und mit mir eine Bewerbung an das Café Maaß geschrieben. Das Vorstellungsgespräch war super. Es hat nur zwei Tage gedauert, den neuen Arbeitsvertrag zu unterschreiben. Auch jetzt noch helfen mir die Arbeitsmarktmentoren. Wenn ich ein Formular ausfüllen muss oder Briefe nicht verstehe, kann ich zu ihnen ins Büro gehen und mir wird weitergeholfen. Ich fühle mich sehr wohl dort.

Wie sieht Ihr Arbeitsalltag aus?

In meiner Heimat habe ich zehn Jahre als Bäcker gearbeitet und viele Erfahrungen gesammelt. Aber es gibt Unterschiede zwischen Deutschland und meiner Heimat. Am Anfang war es schwer für mich, mit den Rezepten umzugehen, wegen der Sprache. Also schreibe ich mir immer auf, wenn ich ein Wort nicht kenne und lerne Zuhause weiter. Ich arbeite immer nachts, um frische Backwaren herzustellen. Ich habe einen Vorarbeiter, von dem ich viel gelernt habe. Zum Beispiel der Teig. Wann ist er bereit zum Backen? Dafür braucht man Gefühl.

Was wünschen Sie sich für Ihre Zukunft?

Man weiß nicht was die Zukunft bringt. Ich versuche, ohne Geld vom Jobcenter oder vom Staat zu leben. Ich möchte von meiner eigenen Arbeit leben und meine Familie selbst versorgen können. Wenn die Leute Süßwaren essen, dann fühlen sie sich glücklich. Ich möchte ein Teil des Glücks sein. Viele Leute sagen oft über Flüchtlinge, sie sind Schmarotzer. Und ich möchte diesen Leuten sagen, schauen Sie sich Ihre Hand an. Nicht alle Finger sind gleich.

Haben Sie einen Tipp, wie man den Weg in Arbeit oder Ausbildung angehen kann?

Am wichtigsten ist es, die Sprache zu beherrschen. Ohne Sprache kann man nichts machen. Man muss sich Schritt für Schritt etwas aufbauen. Zuerst die Sprache, dann der Führerschein. Damit hat man mehr Chancen. Und man muss sich ein Ziel setzen und sich Beratung suchen, um dieses Ziel zu erreichen, sich immer Mühe geben und nicht Zuhause sitzen und warten. Die Arbeit sucht sich niemanden, im Gegenteil. Man muss die Arbeit suchen. In Dresden gibt es zu wenig Leute, die im Handwerk arbeiten wollen. Deshalb empfehle ich allen Flüchtlingen, in einen handwerklichen Beruf zu gehen. Man darf nicht aufgeben. Das ist meine Empfehlung.

"Viele Arbeitgeber sollten den Blick weiten und auch Geflüchteten eine Chance geben." (Silke Zimny)

Silke Zimny ist Inhaberin der Konditorei und Café Maaß in Dresden und wird unterstützt durch die Arbeitsmarktmentor*innen von ARBEIT UND LEBEN Dresden.

Bitte stellen Sie sich und Ihr Unternehmen kurz vor.

Ich habe eine Lehre zur Konditorin gemacht und in einer Patisserie gearbeitet. Anschließend habe ich meinen Meister abgelegt. Meine Eltern hatten damals eine eigene Bäckerei, der Beruf ist mir also in die Wiege gelegt. Meine Großeltern hatten damals eine Konditorei, welche von Herrn Maaß aufgekauft wurde. Später habe ich das Geschäft wieder übernommen. In diesem Jahr feiern wir 20-jähriges Betriebsjubiläum.

Wie kamen Sie zu dem Entschluss, Geflüchtete einzustellen?

Mit der Übernahme des Café Maaß waren viele Mitarbeiter in Teilzeit angestellt. Viele von ihnen wollten jedoch gern in Vollzeit arbeiten. Um meine Mitarbeiter zu halten, habe ich eine weitere Filiale eröffnet. Trotzdem fehlten mir noch neue Kollegen. Generell sollte man umdenken, uns fehlt der Nachwuchs und somit sollte man mehr Geflüchteten eine Chance in Handwerksberufen geben, um die große Lücke am Arbeitsmarkt zu schließen. Herr Al Kamha wurde mir dann wärmstens von den Arbeitsmarktmentoren von ARBEIT UND LEBEN Dresden ans Herz gelegt. Auch sein alter Arbeitgeber war sehr begeistert von ihm. Mein Team war offen dafür und auch eine mögliche Sprachbarriere sollte kein Problem sein. Er brachte bereits ein paar Qualifikationen und Erfahrungen mit, sodass mir die Entscheidung leichtfiel, Herrn AL Kamha einzustellen. Er ist sehr ehrgeizig und schreibt sich viele Fachbegriffe auf, die er zu Hause nach der Arbeit lernt.

Wie sieht der Arbeitsalltag aus?

Herr Al Kamha ist eigentlich vom ersten Tag an voll integriert. Er hat verschiedene Posten durchlaufen wie den Teigposten, Brötchen und Kuchenposten und eine Art kleine Ausbildung gemacht. Dazu standen mir dann auch auf Antrag Fördermittel zur Verfügung. Aber er hat vom ersten Tag an voll mitgearbeitet und jeden Hinweis sofort umgesetzt. Er zeigt wirklichen großen Ehrgeiz. Er präsentiert unser Café auch gern und liebevoll nach außen. Wenn man eine Lehre in Deutschland beendet hat, bedeutet das nicht, dass man sofort perfekte Arbeit leisten kann. Man muss immer dazu lernen. Da macht es keinen Unterschied, wem man die Perfektion für den Beruf nahebringt. So haben wir auch kein Problem, Herrn Al Kamha als Bäckergeselle anzustellen.

Wie sieht die Unterstützung durch die Arbeitsmarktmentor*innen aus?

Ich als Arbeitgeberin benötige keine Unterstützung mehr. Herr Al Kamha nutzt die Unterstützung von den Arbeitsmarktmentoren für seine Anliegen. Für uns läuft alles reibungslos.

Welche Tipps haben Sie für andere Arbeitgebende bei der Anstellung Geflüchteter?

Man sollte offen für die Sache sein und alles mit dem Team absprechen. Viele Arbeitgeber sollten den Blick weiten und auch Geflüchteten eine Chance geben. Die Möglichkeit eines Praktikums gibt guten Einblick in das Können der neuen Arbeitnehmer.

Wo sehen Sie Ihr Unternehmen in fünf Jahren?

Soweit plane ich nicht. Es kann immer etwas dazwischenkommen, ein Backofen kann kaputtgehen und dann müssen neue Investitionen folgen. Ich plane in kleinen, überschaubaren Schritten. Ich lege Wert darauf, mein Team zu motivieren und ihnen Sicherheit zu geben.